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Der Garten hinter Glas / Der Standard 02/2008

Der Garten hinter Glas

Redaktion, 16. Februar 2008 14:00

Regelte der Wintergarten einst noch die Temperatur im Haus, gilt er heute in erster Linie als Oase grünen Wohnens

Der Weg zum Glashaus ist nicht weit, einige wichtige Punkte müssen jedoch beachtet werden - vor allem, wenn man Energiekosten sparen will.
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Wenn der Sommer noch in weiter Ferne liegt, kann sich ein Teil der Bevölkerung bereits darüber freuen, mit ausgestreckten Beinen unter Palmen und Orangenbäumchen zu sitzen und in den blauen Himmel zu schauen. Vergönnt wird ihnen dies durch einen eigenen Wintergarten. Dabei ist der Genuss im Glashaus keineswegs neu.

"Schon die Jahrhundertwende-Villen im Wienerwald hatten einen Pufferraum an der Südseite", erklärt der Bauphysiker Jochen Käferhaus, "die Menschen haben den Raum geschickt genutzt: In der Übergangszeit wurde die Tür geöffnet und die wohlige Wärme breitete sich im ganzen Haus aus."

Galt der Vorgänger des Wintergartens noch als bauphysikalische Erleichterung, um das Klima im Haus zu regeln, ist er heute Inbegriff luxuriösen Wohnens im Einklang mit der Natur - lediglich getrennt durch einen Schleier aus Glas. "Rein technisch betrachtet ist das Glashaus ja ein Unsinn, es ist permanent zu kalt oder zu heiß", so Käferhaus, "es bedarf daher einer geschickten und intelligenten Planung durch einen Fachmann."

Vier wichtige Punkte

Vier Punkte seien jedenfalls zu beachten. Erstens: Die Gläser müssen eine hervorragende thermische Qualität aufweisen. Besser noch als Thermoschutz-Gläser ist das sogenannte Heat-Mirror-Glazing, bei dem im Innern ein hitzeabweisender Schutzfilm aufgetragen wird. Der Bauphysiker: "Doppelt so teuer wie herkömmliches Isolierglas, aber dafür auch doppelt so effektiv."

Zweitens muss der Wintergarten mechanisch gut durchlüftet werden. Wenn möglich, sollte die Abluft über einen Doppelboden nach außen geführt werden. Und drittens sollte man sich den sprichwörtlichen Glashaus-Effekt zunutze machen und in den Stützen für die kalte Jahreszeit Beheizung in Form von Strahlungswärme vorsehen.

Der wichtigste Punkt zum Schluss: "Die Leute müssen sich davor hüten, den Schöner-Wohnen-Bildern zu verfallen", so Käferhaus. Die Benützung eines Wintergartens ganz ohne Sonnenschutz, mit blitzblank blauem Himmel und mitten im Dickicht exotischer Pflanzen sei lediglich eine Momentaufnahme.

Will man den gläsernen Annex kontinuierlich als verlängertes Wohnzimmer und gleichzeitig als Gewächshaus nützen, komme man nicht umhin, ordentlich zu beschatten. Am effizientesten sei eine mobile Außenbeschattung. Je nach planerischer Genauigkeit und Wärmedämm-Werte der Gläser komme man auch mit einem innen angebrachten Sonnensegel über die Runden.

Ausgangspunkt für die Errichtung eines Wintergartens ist ein ordentliches und frostbeständiges Fundament. "Oft bauen die Leute ihre Wintergärten am Platz ihrer alten Terrasse", erklärt Alois Endl, Geschäftsführer der auf Wintergärten spezialisierten Endl-Wagner GmbH, "aus statischen Gründen ist das aber meist nicht ausreichend. In 90 Prozent der Fälle muss das Fundament neu gemacht werden." Der Aufbau selbst entsteht wahlweise als Holzkonstruktion oder aber in Holz-Alu-Bauweise. Letztere ist teurer, aber auch wartungsfreier.

Luxus vor Bauphysik

Rund 40.000 Euro müsse man für einen eingeschoßigen Wintergarten mit rund 20 Quadratmetern Nutzfläche berappen. Das inkludiert in der Regel eine automatische Zu- und Abluft, Dachlüftungsflügel mit Motor und Schiebetüren ins Freie. Der Sonnenschutz schlägt mit weiteren paar tausend Euro zu Buche.

Möchte man den Wintergarten tatsächlich bauphysikalisch nutzen und die Vorteile der Niedrigenergie anwenden, dann muss man zweigeschoßig bauen. Erst mit der Höhe tritt die thermische Luftumwälzung in Kraft. Endl warnt allerdings: "Ein Wintergarten bleibt ein luxuriöser Genussraum. Zum Energiesparen allein ist er nicht geeignet. Da kann man die 40.000 oder 50.000 Euro weitaus besser und effizienter investieren."

Das Wiener Architekturbüro Bulant Wailzer lieferte vor einigen Jahren eine zeitgenössische Antwort auf den klassischen Wintergarten. Das eigens entwickelte Glashaus-System kommt ganz ohne Holz und Stahl aus und besteht lediglich aus miteinander verklebten Glasscheiben. "Dieses Glashaus hat mit einem herkömmlichen Wintergarten nichts mehr zu tun, es ist ein Schmuckstück", bringt Architektin Aneta Bulant-Kamenova auf den Punkt. Kein Vorteil ohne Nachteil: Mit 40.000 Euro kommt man bei dieser Lösung nicht weit. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.2.2008)