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Wie hätten Sie's denn gern verpackt? / Der Standard 9/2007

Wie hätten Sie's denn gern verpackt?

Redaktion, 15. September 2007 15:00
Artikelbild - Foto: foamglas
Artikelbild - Foto: foamglas

Die Möglichkeiten, das eigene Haus gegen Hitze und Kälte zu schützen, sind vielfältig. Schaumglas und Polystyrol sind nur zwei Varianten von vielen.

Artikelbild: Die Möglichkeiten, das eigene Haus gegen Hitze und Kälte zu schützen, sind vielfältig. Schaumglas und Polystyrol sind nur zwei Varianten von vielen. - Foto: Isorast
Die gelbe Mineralwolle und die weißen Styro­porplatten kennt jeder. Doch die Dämmindustrie hat weitaus mehr zu bieten, um das Haus in ein schützendes Klimakleid zu packen

Ein Überblick über die seltener anzutreffenden Kandidaten am Markt.***

In vielen Ländern der Erde ist Wärmedämmung nahezu ein Fremdwort. In Südeuropa ist der Bedarf danach marginal, in den osteuropäischen Ländern wollte und konnte man seinerzeit einfach nicht das Geld dafür aufbringen, und in den Staaten am Persischen Golf fragt man sich schlicht und einfach nur: wozu? Es gibt doch eh Klimaanlagen.

Österreich entwickelte in den letzten Jahrzehnten, was das Dämmen von Gebäuden betrifft, einen sehr hohen bauphysikalischen Standard, der europaweit nur mit wenigen Ländern zu vergleichen ist. War es vor vierzig Jahren noch gang und gäbe, die vergleichsweise billigen Plattenbauten stets ohne Wärmeschutz hochzuziehen, ist ein Haus, das im Zuge des Baus nicht irgendwann einmal in eine Rundumverpackung aus Styropor und Mineralwolle gesteckt wird, längst nicht mehr vorstellbar.

In puncto Dämmung ist man in Österreich jedoch konservativer und traditionsbewusster als in vielen anderen Belangen des Bauens. Im Massivbau verwendet man zumeist Styrodur-Hartschaum, im Leichtbau – und da vor allem im Bereich der Dachgeschoßausbauten – hat sich die stets gelb gefärbte Mineralwolle bewährt. Doch das Spektrum der dämmenden Stoffe ist weitaus größer.

Verbundsystem in Lego-Manier

Nahezu ein Fossil am Markt ist das Verbundsystem Isorast, das einen Hausbau nach guter, alter Lego-Manier erlaubt. Die industriell gefertigten Polystyrol-Bausteine, die mittels Nut und Feder ineinandergesteckt werden, sind 75 und 125 Zentimeter lang, 25 Zentimeter hoch und in unterschiedlichen Wandstärken verfügbar. Eine ganze Reihe an Sondersteinen sorgt für die nötige Flexibilität in der Planung. "Bei dieser Bauweise wird zuerst die Wärmedämmung aufgebaut, und erst danach wird der Raum zwischen Innen- und Außendämmung mit Beton ausgefüllt", erklärt Isorast-Pressesprecher Uli Hofmann, "der Baufortschritt ist daher rasch und effizient." In Zahlen: Im Einfamilienhausbereich kann man mit drei bis fünf Tagen pro Geschoß rechnen, Betonfüllung inklusive.

Ganz anders ist das Einsatzgebiet von so genanntem Schaumglas. Aufgrund der hohen Druckfestigkeit wird das aufgeschäumte Glas gerne im Bereich von Bodenplatten verwendet. Seltener hingegen ist die Verwendung in den buchstäblichen eigenen vier Wänden. In der Beton-Musterhaussiedlung 9=12 in Wien Hadersdorf wurde Schaumglas an der Innenseite der Fassade verwendet. Der Grund: An der Außenseite, wo die Dämmung herkömmlicherweise angebracht wird, gibt es nackten Sichtbeton. "Foamglas ist zwar relativ teuer, hat aber den unschlagbaren Vorteil, dass man es im Innenraum verwenden kann, weil es absolut feuchtigkeits- und diffusionsbeständig ist", erklärt Architekt Adolf Krischanitz, Projektkoordinator der Mustersiedlung, "ein Nachteil aber ist die geringe Verbreitung in Österreich." Da die Professionisten kaum Erfahrung mit dem Anbringen dieses Materials haben, müsse man auch in der Verarbeitung mit erheblichen Mehrkosten rechnen. "Noch fehlt das nötige Know-how, mit den Wohnhäusern in Hadersdorf soll dieser Prozess etwas beschleunigt werden."

Sparsame Herstellung

Und wozu rät die Bauphysik? "Polystyrol und Schaumglas sind durchaus empfehlenswert, wenn die Bauaufgabe nach derartig spezifischen Materialien verlangt", erklärt Bauphysiker Jochen Käferhaus auf Anfrage des STANDARD, "aber sie sind extrem energieintensiv herzustellen, daher sollte man damit sparsam umgehen." Eine Alternative hat Käferhaus parat: "Vom energetischen Standpunkt her gibt es kaum etwas Besseres als beispielsweise Zellulose." Die Herstellung verbrauche wenig Energie, die Dämmfähigkeit sei hervorragend, durch das hohe Gewicht sei das Material außerdem eine sehr effiziente speicherfähige Masse – das ist bei Wärmedämmstoffen selten der Fall.

Einen Trumpf im Ärmel gibt es noch: Gerade im innenstädtischen Bereich, wo die geforderten Dämmwerte oft nicht mit den Grundstücksgrenzen und Baufluchtlinien in Einklang zu bringen sind, verweist Käferhaus auf die so genannte Vakuumdämmung: Aus einer Verbundplatte wird die Luft regelrecht ausgesaugt. Mit nur vier Zentimeter Vakuumdämmung entspricht die bauphysikalische Wirkung einer 18 Zentimeter starken Mineralwolldämmung. Der Wermutstropfen: Bei einem Materialpreis von 200 bis 300 Euro pro Quadratmeter will der Bedarf gut überlegt sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.9.2007)