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Kühlen durch Masse / a3B:tec 09/2013

Der Sommer war sehr warm. Trotzdem kühl geblieben sind zwei Objekte, bei denen Betonbauteile und Kaltwasser für angenehme Raumtemperaturen sorgte.

Kühlung durch Masse

Interessante Artikel rund um Gebäudetechnik finden SIe auch im Archiv der a3B:tec
Magazin für "Building Technologies & Solutions"

Der Sommer war sehr warm. Trotzdem kühl geblieben sind zwei Objekte, bei denen Betonbauteile und Kaltwasser für angenehme Raumtemperaturen sorgte.
Der Mehrverbrauch an Strom durch Klimaanlagen sei nicht wirklich tragisch , teilte die Wienenergie mitten in der heurigen
Hitzeperiode mit. In den Monaten Juli und August seien viele Wiener im Grünen oder auf Urlaub, weshalb die Verbrauchsspitzen in der Bundeshauptstadt immer noch im Winter anfallen, so der Versorger. Das muss nicht ewig so bleiben, denn im Büro Neubau sind Klimaanlagen Standard und der heurige Sommer wird sich vermutlich
auch belebend auf das Geschäft mit Nachrüstungen auswirken. Dazu kommt, dass vermehrt auch in Wohngebäuden einzelne Nutzer ihren individuellen Kühlbereich schaffen - nicht selten auf provisorische und ineffiziente Art und Weise. Dass es auch anders geht, zeigen zwei Wiener Projekte, bei denen das Wiener Ingenieurbüro Käferhaus den Energiespeicher Beton zur Kühlung nutzt. Trotz langanhaltender Hitzeperiode verfügen ein Passiv-Einfamilienhaus
in Pfaffstätten (NÖ) und das mehrgeschossige Passivwohngebäude „Generationen Wohnen am Mühlgrund" in
Wien über kühle Räume ohne Klimaanlage. In beiden Wolmgebäuden wird die Speichermasse von Beton mittels sogenannter Bauteilaktivierung genutzt. „Beton ist ein massiver Wärme- und Kältespeicher. Werden in Bauteile aus Beton Rohre verlegt und mit kalter oder warmer Flüssigkeit durchströmt, werden die Räume gekühlt oder gewärmt", erklärt Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ).
Im 2012 errichteten Einfamilienhaus in Pfaffstätten funktioniert die Kühlung im Sommer sogar ohne Bauteilaktivierung.
Die Speichermasse der 50 cm dicken Bodenplatte und der Decken aus Beton reicht aus, um selbst bei wochenlanger
Hitze eine konstante Raumtemperatur unter 26 Grad Celsius zu halten. So bleibt es nicht nur im Souterrain, sondern auch
unter dem Dach angenehm kühl. 

Die Bewohner des Hauses sind begeistert und loben das angenehme Raumklima. Die  Technologie funktioniert einwandfrei, erklärt Wieland Moser von Käferhaus, und ergänzt:
„ Wir sind mit der Technologie des Energiespeichers Beton bei diesem Haus bereits wieder einen Schritt voraus." Die
Erfahrungen daraus werden genutzt: Mit einem eigens entwickelten Rechenmodell wird geprüft, welche Masse die Bodenplatte eines Gebäudes braucht, um ganzjährig ein konstantes Raumklima zu sichern. „Eine Aktivierung der Platte mittels Kaltwasser ist im Sommer gar nicht nötig", erklärt Moser weiter. Nur im Winter wird in Kombination mit Solarkollektoren warmes Wasser durchgeleitet. Über eine konventionelle Heizung verfügt das energieautarke Passivhaus übrigens nicht.

Als „solar aktives Passivhaus" gilt das 2012 fertiggestellte BUWOG-Wohnprojekt „generationen: wolmen am mühlgrund",
das nach Süden hin geöffnet ist und gegen die anderen Himmelsrichtungen über einen räumlich ausgebildeten Klimapuffer verfügt. Käferhaus und Artec Architekten zeichnen für die Entwicklung verantwortlich. „Die Gebäudetemperierung funktioniert hier mit einer aktivierten BetonBodenplatte, die das ganze Jahr von
Grundwasser umflossen wird und so fast immer die gleiche Temperatur hat", erklärt Moser. Die Raumluft wird im Winter vorgewärmt und im Sommer abgekühlt. Die Energie für Wärme und Kälte ist kostenlos, abgesehen von einem minimalen Strombedarf für die Pumpe. Konventionelle Heizregister in der Lüftungsanlage sind nicht mehr erforderlich. Das Projekt erfüllt hinsichtlich Energieeffizienz und Klimaschutz höchste Anforderungen und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) und klima:aktiv.